Die Macht der Essgewohnheiten

Die Macht der Essgewohnheiten
18 Jun

Ich stelle immer wieder aufs Neue fest, welche Macht eingefahrene Essgewohnheiten bei den Menschen haben, so habe ich Menschen kennengelernt, die einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatten, den sie geradeso überlebt haben, an Ihrer Ernährung aber nichts ändern wollen. Allem Anschein nach, ist mit Nahrung, die einem schmeckt, mit der man sich beispielsweise nach einem harten, stressigen Arbeitstag belohnt, mehr Lebensqualität verbunden, als mit einem gesunden Körper und Geist. Es ist sogar so, dass mich einige Menschen für meine Lebensweise bemitleiden, da ich mich so stark selbst geißeln würde durch meinen „Verzicht“ auf soviele Dinge und mein Leben aus ihrer Sicht, die für eine hohe Lebensqualität verantwortlichen Dinge, nicht beinhalten würde.

Diese Tatsache, war eines der ersten Dinge, die mir klar werden mussten, bevor ich versuchte, Menschen zu helfen, gesünder zu leben. Man darf sich nicht mit anderen vergleichen, man muss versuchen, das Leben der Menschen aus ihrer Sicht zu sehen.

Jeder steht an einem anderen Punkt in seinem Leben, hat andere Erfahrungen gemacht und Dinge erlebt, die ihn dahin geführt haben, wo er gerade steht.

So habe ich beispielsweise die Möglichkeit 4 bis 5 mal in der Woche Sport zu treiben, habe Zeit mir Lebensmittel vorzubereiten und das Privileg weitestgehend jede Nacht 8 Stunden schlafen zu können.

Jetzt muss ich mir die Frage stellen was wäre wenn? Was wäre wenn ich Schichtarbeiter wäre, der mal am Tag und dann wieder Nachts arbeitet, der am Ende seiner Schicht hungrig und müde ist, nur noch auf das Sofal fallen und sich mit einer Tiefkühlpizza mit ganz viel Käse darauf belohnen will? Wie bekomme ich diesem Menschen vermittelt, dass gerade er einen sportlichen Ausgleich braucht, dass gerade er auf eine gesunde Ernährung achten sollte und es andere Wege gibt, sich für die harte Arbeit zu belohnen. Wäre ich in seiner Situation Willens und stark genug, soviel Disziplin aufzubringen, wie ich es jetzt kann?

Ein guter Trainer schafft es, diese Menschen abzuholen, zu motivieren und ihnen Wege aufzuzeigen, wie sie einen gesunden Lifestyle in Ihr Leben, dass so viele schlechte Vorraussetzungen aufweist, integrieren können. Einem Sportler Wege zu zeigen, wie er in dieser oder jener Übung 5kg mehr bewegen kann, ist zwar auch nicht unbedingt einfach, aber sicherlich ein Witz dagegen, einen ungesund lebenden Menschen abzuholen und ihm Wege zu einem gesünderen Leben aufzuzeigen.

Für mich sieht es so aus:

Die Gesundheit meines Körpers hat oberste Priorität, ist mein Körper gesund, bin ich in der Lage all das zu tun was ich möchte. Keine körperlichen Erkrankungen, keine Medikamenteneinnahme, keine Insulinspritze halten mich davon ab. Hierfür, wäre es mir egal, ob ich mich dafür von Gänseblümchen ernähren müsste, die bei Westwind und Vollmond auf einem Feld gepflückt werden müssten. Aber auch ich bin natürlich nicht mit dieser Einstellung auf die Welt gekommen.

Man kann seine Gewohnheiten nicht von heute auf morgen ändern, der Weg von Softdrinks zu stillem Wasser beispielsweise führte bei mir von Cola zu Eistee, von Sprudelwasser mit chemischen Geschmackszusätzen in Plastikflaschen zu reinem Sprudelwasser um dann letztendlich bei stillem Mineralwasser mit mir bekannten mineralischen Inhaltsstoffen aus Glasflaschen zu enden.

Heute verknüpfe ich „durst löschen“ mit stillem Wasser. Ich stelle es überhaupt nicht mehr in Frage. Es schmeckt mir! Wenn ich heute Cola trinke, frage ich mich, wie ich diese dermassen übersüßte Flüssigkeit einmal in mich hineinschütten konnte. Aber es war ein langer Weg und der Körper brauchte Zeit sich umzugewöhnen.

Hat man also den ersten Schritt getan und verstanden, worum es geht, läuft man über kurz oder lang automatisch in die richtige Richtung.

Parallel dazu, kommt irgendwann der Punkt an dem man mit dem Sport anfängt, Nach einer Weile sieht man die ersten Resultate, freut sich über Veränderungen an sich, die man schon nach kürzester Zeit erreicht und merkt, dass man seinem Wohlfühfaktor und Wunschkörper durch kleine Veränderungen seiner Essgewohnheiten, langsam aber sicher immer näher kommt. Jetzt hat es einen gepackt, wie es früher nur die Chipstüte konnte.

Die Belohnung allerdings hat sich von einem kurzen Kick beim Essen der Kartoffelchips zu einem permanent anhaltenden Wohlgefühl mit sich und seinem Körper entwickelt, dass bei jedem Treppenlauf und bei jedem Blick in den Spiegel gestärkt wird.